Die Parkbank

Er sass auf der Parkbank. So eine rote, der Lack schon etwas abgesplittert. Eine Parkbank eben. Nichts spektakuläres. Ein Bus fuhr vorbei. Nein, kein blauer, ein gelber. So wie die Post früher. Wobei: Die Post ist immer noch gelb, dacht er – obwohl heute sich alle grün geben, dachte er weiter – gelb ist höchstes die gelbe Gefahr aus dem fernen Osten, dachte er noch weiter. Dann dachte er wieder nichts, wenigstens bis der Zeiger am Kirchturm eine Viertelstunde vorgewandert war. Ja, die Kirchenuhr, dachte er. Warum man im Zeitalter der Technik an neu zu bauenden Kirchen immer noch diese mittelalterlichen Ziffernblätter und nicht einfach eine Digitalanzeige montiert? – dachte er. Obwohl, das Problem liegt nicht an der Digitaluhr, sondern daran, dass gar keine neuen Kirchen gebaut werden, dachte er, nicht ohne leicht den Kopf zu schütteln. Eine weitere Viertelstunde verstrich. Diesmal gedankenlos. Plötzlich: Ereignis! Eine Frau mit einem kleinen Hund setze sich neben ihn. Frechheit! – dachte er nicht, wollte er denken, bis er sich erinnerte, dass er sich selbst vor einiger Zeit hier hingsetzt hatte neben einen alten Mann, der dann einige Minuten später gegangen war. Ich bin ja auch frech gewesen, dachte er. Eine freche Welt, philosophierte er. Der Hund der Frau glich einem Kätzchen, so klein war er. Ob er wohl auch Whiskas kriegt? Was, wenn der Weltmarktpreis für Whiskas wegen Börsenspekulanten explodiert? Der arme Hund, dachte er, nicht ohne einen zynischen Seitenblick. Die Frau hatte das Bedürfniss zur Kommunikation – aber warum musste sie gerade ihn jetzt ansprechen? Er hatte auch das Bedürfniss nach einer Toilette und pisste nicht an jeden Baum. Das Wetter sei heute sehr schön, sagte die Frau. Ja, sagte er, die Parkbank sei heute auch sehr schön rot, antwortete er, nur um etwas zu sagen. Sie sei farbenblind, sagte die Frau. Sie hätte gedacht, die Parkbank sei grün. Er stutze, sagte nichts mehr. Wartete auf die nächste Viertelstunde. Gedankenlos.

~ von mrohner am Mai 11, 2008.

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