der Zufall des Alltäglichen

Fast jedem ist es schon einmal passiert, dass er irgendwo – im Kino, im Bus, auf der Strasse – jemanden ganz zufällig getroffen hat, den er schon lange nicht mehr gesehen hat. Und dann tauscht man Nettigkeiten aus und sagt sich anschliessend (nachdem die Begegnung wieder vorbei ist) was es doch für seltsame Zufälle gibt: Dass diese Person gerade jetzt gerade hier ist, wo ich in gerade dieser Sekunde auch bin. - Kennen wir alle, oder? Und jetzt habe ich mir überlegt: Wie oft geschieht es wohl, dass man jemanden, den man erkennt, um zwei Sekunden verpasst? Dass jemand die Migros gerade vor einem verlässt, so dass man sich gerade eben nicht sieht. Dass jemand bei Starbucks zwei Minuten vorher bezahlt, als dass man selbst den Laden betritt. Man weiss nur, wann der Zufall einem dazu führt, dass man zufällig einander wieder sieht. Wie oft führt der Zufall wohl dazu, dass man einander um Haaresbreite verpasst – ohne es zu wissen, ohne zu realisieren, dass man fast, beinahe, jemanden getroffen hätte, den man bestimmt schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen hat. Das Leben, der Zufall, führt uns manchmal auf anderen Erdteilen zusammen. Da trifft man dann ganz unerwartet einen ehemaligen Schulkollegen mitten in Christchurch, der just gerade in dieser Stadt in Neuseeland, wo ich auch bin, auch einen Austausch macht. 20′000 Km weg von der Schweiz. Krass! Aber wenn wir uns treffen, verpassen wir uns gelegentlich wohl auch: Wie oft trennt uns dieser Zufall wohl, ohne dass wir es wissen?

~ von mrohner am Mai 15, 2008.

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