1. August
Und wieder ist es soweit: Landauf Landab werden auf Dorfplätzen gut lackierte Festtische und Bänke aufgestellt und mit dem gesponsorten Plastiktischtuch von Raiffeisen-Banken überzogen, versammeln sich auf bergigen Höhen die globalisierten städtischen Nachfahren der wehrhaften Ureidgenossen, lassen alle wohlhabenden Orte und Bezirke und Goldküstenbewohner Unmengen an geldintensiven Raketen in den Himmer steigen. Es ist wie jedes Jahr rund um den 1.August: Die Schweizer, dieses seltsame Volk im Herzen Europas, feiern sich selbst. Oder wenigstens nehmen sie den Geburtstag ihres Landes zum Anlass, die Fahne kurz zu schwingen und dann zum Hauptteil, nämlich der Bratwurst, dem Bier und dem “Plaudere” überzugehen. Es werden Reden gehalten - von den Intelektuellen zynisch, von den Patrioten rot-weiss überzogen, von den Historikern aufklärend und Mythos hinterfragend. Als hätten uns die Intelektuellen nicht schon letztes Jahr beigebracht, dass die Schweiz gar nicht so speziell sei, die Patrioten uns zugerufen dass sie eben sehr speziell sei, und die Historiker uns belehrt dass die Schweiz keinen Grund habe, sich speziell zu fühlen. Die einen werden am 1.August fordern, dass sich die Schweiz öffnen muss und integrierend wirken sollte bis in alle Gesellschaftsschichten, die anderen werden wehrhaft den rethorischen Säbel schwingen und erklären, dass wir das ureigenständigste Volk der Alpen sind, dass wir uns noch nie irgend etwas haben sagen lassen von irgendwem da draussen in der Welt und dass sich jeder, der sich auf unser kleines aber schönes Theretorium begibt, sich uns anzupassen habe. Mag man hier also debatieren und fordern und gegenfordern und nicht auf einen grünen Zweig kommen. Ich für mich pflege am 1.August weder die Schweiz in den Himmel zu jubeln, noch sie durch übertriebene Kritik mit Füssen zu treten. Für mich ist der 1.August ein Feiertag, weil ich die Schweiz einfach gern habe. Nicht weil sie um so vieles besser ist als alles andere. Nicht weil sie eine historisch einmalige Vergangenheit hat, die vielleicht mehr Mythos als Wahrheit ist. Nicht weil sie reich und schön ist. Sondern aus einem viel simpleren Grund: Sie ist mein Zuhause. Das feiern wir am 1.August: Unsere Liebe zu unserem Zuhause. Nicht mehr, nicht weniger, aber immerhin.
Zur Bedeutung des Schweizer Kruezes: Das weiße Kreuz auf rotem Feld ist als Feldzeichen erstmals für das eidgenössische Heer in der Schlacht von Laupen (1339) bezeugt. Die quadratische Flagge in heutiger Form wurde 1848 anläßlich der Verkündung einer neuen Verfassung eingeführt und am 12.12.1889 offiziell angenommen



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